Heutige Therapien gegen neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Huntington oder Alzheimer zielen vornehmlich auf eine Symptombekämpfung und setzen nicht bei den Ursachen dieser Symptome an.

Paradigmenwechsel in der Neurologie

InnoMedica hat jedoch mit Talineuren einen Nanocarrier mit einer aussergewöhnlichen Zusammensetzung entwickelt, der einen neuroregenerativen Wirkstoff mit einer schützenden Wirkung auf Nervenzellen in möglichst hoher Konzentration direkt durch die Blut-Hirn-Schranke schleust und somit positiv auf betroffene Neuronen wirkt. Talineuren setzt hierbei mit dem Gangliosid GM1 auf einen Wirkstoff, der bereits Bestandteil der Nervenzellen im menschlichen Körper ist und die Regeneration dieser Nervenzellen fördert. Aufgrund des neuen, regenerativen Mechanismus eignet sich Talineuren für eine Anwendung bei verschiedensten neurodegenerativen Erkrankungen und ermöglicht dank der Verabreichungsform des Wirkstoffs eine lange Behandlungsdauer bei chronischen Krankheiten. InnoMedica wird Talineuren in einem ersten Schritt bei den Indikationen Parkinson und ALS klinisch testen, während gleichzeitig weitere präklinische Untersuchungen zu anderen Anwendungen vorangetrieben werden.

Hirn ohne Talineuren®-Behandlung

Hirn mit Talineuren®-Behandlung

MALDI-Imaging Massenspektrometrie von Hirnquerschnitten unbehandelter (links) und mit oral verabreichtem Talineuren® behandelter Mäuse (rechts). Die Intensitätsskala zeigt die Menge an nachgewiesenem GM1 im Hirn. Nach der Behandlung mit Talineuren® ist signifikant mehr GM1 nachweisbar.

Erste Anwendung bei Parkinson

Um die gegenwärtigen Behandlungsmöglichkeiten von Parkinson-Erkrankten zu verbessern, wird ein Wirkstoff benötigt, der möglichst nahe an der Krankheitsursache ansetzt und die durch Parkinson eingeschränkte körpereigene Dopaminproduktion langfristig unterstützt. Dopamin ist ein Stoff, der in zahlreichen Hirnregionen vorkommt und für das Auslösen und Steuern von bewussten Bewegungen benötigt wird. Ein Dopaminmangel kann auf das Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn zurückgeführt werden. Bis anhin existieren nur Medikamente zur Behandlung der Symptome, jedoch gibt es noch keine Behandlung, die bei Parkinson das Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen verhindert oder die betroffenen Nervenzellen regeneriert. Bei der heutigen medikamentösen Behandlung der Symptome kommt hinzu, dass fortwährend weitere Nervenzellen absterben, wodurch die Dosis des Wirkstoffs stetig gesteigert werden muss. Zudem treten meist Nebenwirkungen auf, die den Lebensalltag der betroffenen Patienten zusätzlich einschränken.

Forschungsergebnisse zahlreicher Studien konnten die neuroprotektive Wirkung von GM1 und dessen Anwendungserfolg bei Parkinson belegen. So konnte Prof. Jay Schneider von der Thomas Jefferson University (TJU) in einer Humanstudie mit 94 Parkinsonpatienten nachweisen, dass durch das Verabreichen von GM1 ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamt oder sogar gänzlich aufgehalten wird. Bei der zusätzlichen Verabreichung von GM1 bei einer gleichzeitig weitergeführten Behandlung mit anderen Medikamenten konnte eine langfristige Verbesserung der motorischen Werte und somit eine Linderung der neurologischen Symptome bei Parkinson beobachtet werden, was auf die regenerative Funktion von GM1 zurückgeführt werden konnte. Um für einen therapeutischen Effekt ausreichende Mengen GM1 im Hirn anzureichern, musste in dieser Studie der Wirkstoff jedoch zweimal täglich subkutan verabreicht werden. Die so erzeugte Depotwirkung verursachte schmerzhafte lokale Hautreaktionen, welche trotz der starken Symptomverbesserung für die Patienten meist unerträglich waren.

Wird GM1 jedoch liposomal verpackt verabreicht, ermöglicht der Nanocarrier eine Depotwirkung. Talineuren muss somit nicht mehr subkutan gespritzt, sondern kann intravenös oder allenfalls sogar oral angewendet werden. Bereits im Dezember 2017 hat InnoMedica diese Anwendung durch ein Patent geschützt und weiterführende Forschung für das Medikament betrieben. Aufgrund der umfangreichen vorliegenden präklinischen Daten hat InnoMedica nun bei Swissmedic den Studienantrag für eine erste klinische Studie mit Parkinsonpatienten in Zusammenarbeit mit führenden Neurologen eingereicht. Erste Parkinsonpatienten werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 im Rahmen einer klinischen Studie mit Talineuren behandelt werden können.

Orphan Drug Status für die Anwendung bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS)

Neben Parkinson wurde die Wirksamkeit von Talineuren auch gegen ALS in präklinischen Studien in Kooperation mit der Universität Bern untersucht. Bei Patienten mit ALS degenerieren die motorischen Neuronen sehr schnell, wobei geistige und sensorische Funktionen nicht betroffen sind. Die Lebenserwartung nach einer Diagnose mit ALS liegt nur gerade bei drei bis fünf Jahren. Die heute bekannten Therapien verlangsamen das Fortschreiten der Krankheit und verlängern das Leben um einige Monate. Bis anhin gibt es jedoch keine Therapie zur nachweislichen Förderung der Regeneration von Motoneuronen. Mit Talineuren sollen die neuromuskulären Verbindungen gestärkt sowie die Degeneration der Motoneuronen gestoppt und die Reinnervation der Skelettmuskulatur gefördert werden.

Die Studienresultate zeigen im Tiermodell eine gute Wirkung gegen diese seltene Krankheit, die bis anhin als unheilbar und kaum behandelbar gilt. Die mit Talineuren behandelten Mäuse haben im Vergleich zu kranken, unbehandelten Mäusen aufsehenerregende Verbesserungen in der Motorik gezeigt. InnoMedica hat deshalb bei der EMA und FDA umgehend einen „Orphan Drug“ Status beantragt, der im Frühjahr 2021 von beiden Behörden erteilt wurde. Dieser Status ist Medikamenten für die Behandlung seltener Krankheiten vorbehalten, für die bisher keine wirksamen Therapieansätze vorliegen und gewährt diesen eine mehrjährige Marktexklusivität. Eine solche Kategorisierung vereinfacht zudem die Zusammenarbeit mit den Behörden und erleichtert so den Weg zur Markteinführung erheblich. Demzufolge ist für das Jahr 2021 ebenfalls eine Studieneinreichung für diese Indikation geplant.

Interview mit Prof. Dr. Smita Saxena, Forschungsleiterin, Universität Bern und Inselspital

Behandlungsmöglichkeit bei schweren Covid-19-Krankheitsverläufen

Gemäss neuster Forschung handelt es sich bei SARS-CoV-2 um eine neuronale Erkrankung, die über die Atemwege ins Nervensystem eindringt. 80% aller Covid-19-Patienten entwickeln im Laufe der Krankheit neurologische Symptome, welche in schweren Fällen zu längerer Hospitalisierung und höherer Sterblichkeit führen. Talineuren schützt und regeneriert das Nervensystem umfassend und könnte so auch massgeblich bei der Behandlung von Corona-Patienten helfen. Talineuren ist bereit für den Einsatz in einer klinischen Studie und könnte auch bei diesen Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf schnell eingesetzt werden. Zudem konnte Talineuren bereits mehrfach in klinischer Qualität in InnoMedicas Nanofactory in Marly produziert werden. Mit dem Ausbau des zweiten modularen Reinraums ist eine künftige Produktion von Talineuren in der Schweiz gewährleistet.

SARS-CoV-Spike-Proteine (gelb) greifen Neuronen (violett) in der Riech-Schleimhaut an. Die Schleimhautzellen (grün) sind kaum betroffen. Nature Neuroscience

Klinische Studien

Die Studienprotokolle für den klinischen Einsatz von Talineuren bei ersten Parkinsonpatienten wurden im Jahr 2021 finalisiert und eingereicht. Teile des Dossiers können nachfolgend auch für die Einreichung von Studienanträgen für andere Indikationen von Talineuren übernommen werden.

In einer Sicherheitsstudie sollen die Verträglichkeit von Talineuren nachgewiesen und erste Hinweise betreffend Wirksamkeit bei Parkinson erhoben werden. Das Risiko einer Toxizität ist sehr gering einzuschätzen, weil Talineuren körpereigene Stoffe enthält. Das Studiendesign der ersten klinischen Studie mit Talineuren sieht vor, dass 12 an Parkinson erkrankte Patienten auf vier verschiedenen Dosisleveln mit Talineuren behandelt werden. In die Studie werden keine gesunden Probanden, sondern nur an Parkinson Erkrankte eingeschlossen, die intravenös verabreichtes Talineuren als Zusatz zu ihrer normalen Behandlung erhalten. Durch die Wahl dieses Studiendesigns werden bereits in der Sicherheitsstudie bei ersten Patienten Daten zur Wirkung erhoben. Klinische Studien mit freiem GM1 zeigen eine vergleichsweise schnelle Wirkung nach einer Behandlung. Entsprechend werden in Studien mit Talineuren erste Befunde bereits 2-3 Wochen nach der ersten Verabreichung erwartet. Für spätere Phasen der klinischen Studien mit Parkinsonpatienten sind der Einbezug einer Kontrollgruppe und die Verabreichung eines Placebos angedacht. Für die Rekrutierung der Patienten arbeitet InnoMedica mit dem führenden Neurologen Dr. med. Michael Schüpbach zusammen, der InnoMedica bereits in der Studienplanung von Talineuren unterstützt.

Durch den zugesprochenen Orphan Drug Status bei ALS wird InnoMedica auch in dieser Indikation schnellstmöglich einen Studienantrag erstellen, der ebenfalls noch im Jahr 2021 eingereicht werden soll. Eine weitere klinische Studie mit Talineuren soll die Behandlung von Covid-19 bedingten Nervenschäden untersuchen. Aufgrund der aktuellen Covid-Auslastung in den Spitälern sind jedoch vorübergehend alle Studien zu Covid-19 gestoppt worden. InnoMedica prüft dennoch eine befristete Bewilligung zur Anwendung von Arzneimittel bei Swissmedic für eine Talineuren-Therapie von Covid-19 bedingten Nervenschäden.

Weitere Produkte

Talidox®

Die hochwirksame Chemotherapie überzeugt selbst bei weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Talidox verbessert das Nutzen-/Nebenwirkungsprofil massgeblich ohne schwerwiegende Nebenwirkungen zu verursachen.

TaliCoVax19

Mit der Entwicklung einer Impfung gegen Covid-19 nimmt InnoMedica die Verantwortung als pharmazeutisches Unternehmen wahr und reagiert dank bestehender immunologischer Kompetenz und Flexibilität durch eigene Produktionsanlage schnell auf die brisante pandemische Lage.